Die Junge Evangelische Volkspartei treibts wieder mal zu weit…

Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, hängt seit einigen Tagen die neue Aids-Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Aids-Hilfe Schweiz. Auf verschiedenen Plakaten sind Paare beim Geschlechtsverkehr zu sehen. Man bemerke aber, dass keine Person auf diesen Plakaten komplett nackt ist, sondern lediglich ein paar nackte Hinterteile zu sehen sind.
Nun las ich vorhin gerade auf 20min.ch, dass die liebe JEVP (einer meiner absoluten Lieblingsparteien ;) ), wieder einmal was zu meckern hat. Original Artikel der 20min Redaktion

Nun denn, jedenfalls ist die JEVP nicht mit der Kampage einverstanden und deshalb wurden einige Stop Aids-Plakate mit entfernbaren Warnklebern überklebt. Was für eine grossartige Aktion. *kopfschüttel*
Die Begründung dieser christlichen Partei sieht wie folgt aus:

“Das ist eine neue Eskalationsstufe”, sagt Niklaus Hari, Generalsekretär der JEVP. “Kopulierende Paare hat man auf Schweizer Plakatwänden wirklich noch nie gesehen. Die Kampagne suggeriert mit den Pärchen im sexuellen Akt, dass es in jeder Situation unbedenklich ist, Sex zu haben. Das widerspricht doch genau dem Präventionsgedanken. Man sollte doch auch noch mit dem Kopf bei der Sache sein und an Präservative denken.”

Lieber Herr Hari, haben Sie nachgedacht, bevor Sie diesen Satz im Interview mit der 20 Minuten Redaktion gesagt haben? Ich denke wohl eher nicht. AIDS ist solch ein wichtiges Thema und ich denke nicht, dass man es verherrlichen sollte oder irgendwie in der Öffentlichkeit vertuschen. Ausserdem wäre es wohl ziemlich doof, wenn auf diesen Plakaten leidiglich Sätze stehen würden. Wie sagt man so schön: “Ein Bild sagt mehr aus tausend Worte!” Davon abgesehen, wird auf keinem dieser Plakatte deutlich, dass die Person nicht an Präservative denken oder den Kopf nicht bei der Sache haben. Es geht doch darum, dass es erstens immer wichtig ist Kondome dabei zu haben, egal in welcher Sitation und zweitens dass man auch in Ausnahmesituationen den Kopf beisammen hat und Kondom gebraucht. Genau das sagen diese Plakate aus.

Herr Hari sagt ausserdem: ” Ich höre schon die Kinder ihre Eltern fragen: Was machen die da?”
Ich bitte Sie Herr Hari, haben Sie noch nie den Fernseher angeschaltet und sich all die Sendungen angeschaut, die am Nachmittag laufen und in denen man deutlich mehr von kopulierenden Paaren sieht als in diesen Werbungen? Wohl nicht, dann würden Sie solche Sachen nämlich auch nicht behaupten.

Ich komme mir langsam aber sicher vor, als wäre ich im konservativen Amerika, in dem nicht einmal nackte Brüste in Fernsehen gezeigt werden dürfen. Die Schweiz ist ein offenes und fortschrittliches Land und deshalb sind solche Kampagnen umso wichtiger. AIDS ist kein Tabu-Thema, genau so wenig wie Sex.

Eine weitere Gefahr sieht Herr Hari im Bezug auf die Jugend. Er weist darauf hin, dass “Jugendgewalt und Sexualstraftaten unter anderem in der Übersexualisierung unserer Gesellschaft durch solche Bilder wurzeln. So werden Kinder und Jugendliche nicht geschützt, sondern gefährdet!”
Wie oben schon erwähnt, wären Kinder und Jugendliche ja schon gefährdet, wenn sie den Fernseher einschalten und sich z.B. Dailysoaps wie “Unter Uns” oder “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” anschauen. Sollte man das Fernsehen deswegen auch verbieten?! Ich sage klar NEIN.

Liebe JEVP, in welchen Jahrhundert leben wir denn? Ja genau, wir befinden uns natürlich noch im 18. Jahrhundert, in dem Sex noch ein grosses Tabu-Thema in der Öffentlichkeit ist.

Ich frage mich nun wirklich, ob die JEVP und die EVP nichts anderes zu tun haben, als auf “verwerfliche” Kampagnen zu warten und diese dann mit umso dämlicheren Gegenkampagnen zu boykottieren. Es sollte besser mal dafür gesorgt werden, dass die Menschen in beispielsweise Brasilien mit Kondomen verhüten, obwohl ihnen der Papst solch etwas verbietet. Sex ist ja schliesslich nur zur Fortpflanzung da. Deswegen ist es ja so schön, wenn wir mit jemanden schlafen. Hm, Logik?!

Jedenfalls könnte ich mich noch stundenlang über solchen Scheiss aufregen, aber schlussendlich bringt es ja doch nichts. Wie man vielleicht aus diesem Post herauslesen konnte, bin ich überzeugter Atheist. Ich respektiere alle anderen Religionen, das ist keine Frage. Aber bei solchen hirnlosen Aktionen verstehe ich die Gesellschaft wieder einmal nicht.

Nun denn, ich freue mich schon auf die nächste stumpfsinnige Aktion der christlichen Parteien und bis dann verbleibe ich mit einem “Poppt schon weiter Leute, aber immer mit Gummi!” und wünsche noch einen schönen restlichen Teil der Woche :D

Auf Wiedersehen

Nachtrag: Hier noch zwei Bilder der Kampagne

4 Kommentare

  1. iSO sagte,

    9 April, 2008 um 21:48

    Wie man vielleicht aus diesem Post herauslesen konnte, bin ich überzeugter Atheist.

    das kann man eigentlich nicht so klar aus dem post herauslesen. ich denke dass es sehr viele christen gibt, die ähnlich wie du denken

  2. tatle sagte,

    9 April, 2008 um 21:49

    Nun gut, das ist wahr. Es gibt aber eben sehr viele, die der Meinung dieser Partei sind.

  3. Roman Rutz sagte,

    19 April, 2008 um 21:35

    Hallo

    Gerne gebe ich dir als *jevp-ler eine kurze Antwort.

    Für mich gibt es einen klaren Unterschied zwischen Fernsehen und Werbeplakate: Eltern, Grosseltern etc. haben es selber in der Hand, welche Fernsehsendungen die Kinder schauen und welche nicht. Bei den Werbeplakaten ist dies anders, da wird man überall damit konfrontiert und kann dem nicht ausweichen! Die Antwort, bei den Fragen der Kinder könne man diese ja aufklären, was sowieso dringend ist, frage ich mich, ob man ein 4 jähriges Kind wirklich schon aufklären sollte?!

    Bei der Kampagne ging es auch nicht darum, da soviel nackte Haut gezeigt wird. Das Problem ist, dass nun das erste Mal der Geschlechtsakt ausgehängt wurde. Dass dies nun weiter in diese Richtung geht ist völlig klar (die Tendenz zu immer mehr nackter Haut, auch bei Werbungen die nicht Unterwäsche verkaufen wollen, ist ja unverkennbar).

    Unser Forderung nach Verbot von übersexualisierter Werbung hat grundsätzlich zwei Gründe: Die Reizüberflutung ist für eine gesunde Entwicklung gerade in der Pubertätszeit von Jugendlichen schädlich! Tatsächlich zeigen dies erschreckende Berichte über Jugendvergewaltigungen ständig zunehmende Schönheitsoperation von unter 18-jährigen, etc. Der zweite Grund ist, dass es durchaus Männer gibt, die nicht ständig diesen Reizen ausgesetzt sein wollen! Eigentlich ist es ein liberaler Gedanke, dass nur derjenige “Pornografie” (dies trifft jetzt nicht auf die Stop-Aids-Plakate zu, aber auf andere, vor allem wilde Plakate.) konsumieren soll, der das möchte, nicht aber die gesamte Gesellschaft. Was ist daran so falsch?

    Betreffend Gummi in Brasilien: Du weisst wohl so gut wie ich, dass wir als *jevp (junge evangelische volkspartei) keinen Einfluss auf den (katholischen) Papst haben… :)

    Die *jevp ist überhaupt nicht gegen Aufklärung und Stopp-Aids-Kampagnen. Selbstverständlich gehört die Aufklärung in den Stundenplan der Oberstufe (und ich verstehe nicht, wieso man davon dispensiert werden kann!). Genau so wenig sind wir sexfeindlich oder was auch immer! Kinder und Jugendliche sollen aber nicht in einer übersexualisierten Gesellschaft aufwachsen müssen, da dies gerade auch für die sexuelle Entwicklung nicht förderlich ist (gibt verschiedene Studien, die eine negative Rückwirkung auf die Potenz nachweisen, die von eine Reizüberflutung herrührt…).
    Lg,
    Roman

  4. rum diddl dum sagte,

    7 September, 2009 um 23:06

    das christentum ist eine religion und keine partei. wenn die jevp das so denkt, denken die das halt so, jedoch heisst das noch lange nicht, dass alle christen so denken ;) man sollte dies unterscheiden können.


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